Aktuelle Themen

Archiv des AFET-Fachausschuss Theorie und Praxis der Erziehungshilfe

In den vergangenen Jahren befasste sich der Fachausschuss Theorie und Praxis der Erziehungshilfe mit folgenden Themen:

2015 - 2017

  • Schulbegleitung nach § 35a SGB VIII und § 54 SGB XII

Ein wichtiger Schwerpunkt dieses Themas von Kooperation beider Systeme liegt bei der aktuellen Gestaltung der Schulbegleitung nach § 35a SGB VIII und § 54 SGB XII.
Mit dem auf das Kind und seine Rechte auf Teilhabe, eine adäquate Beschulung, Bildung und Förderung gerichteten Fokus veranstaltete der AFET in der Federführung des Fachausschusses „Theorie und Praxis der Erziehungshilfe" im November 2015 das erste interdisziplinäre ExpertInnengespräch zu rechtlichen und fachlichen Spannungsfeldern von Schulbegleitungen an Regelschulen. Die geladenen VertreterInnen der Kinder- und Jugendhilfe, des Schulwesens, Rechts und der Wissenschaft befassten sich mit den Fragen: Welche Rolle spielt die Schulbegleitung an der Regelschule und was sind die aktuellen Spannungsfelder?
Im Mai 2016 fand das zweite interdisziplinäre ExpertInnengespräch zur Schulbegleitung im Kontext der multiprofessionellen Arbeit an inklusiven Schulen statt. Dabei ging es um kooperative Praxismodelle beim Einsetzen von SchulbegleiterInnen in Regelschulen.
Die zentrale Frage war: Was muss sich (langfristig) ändern, um die Schulbegleitungen in Re-gelschulen bedarfsgerecht und wirksam einzusetzen und gleichzeitig den individuellen Rechtsanspruch auf Hilfe der SchülerInnen zu sichern?

  • Professionelle Haltungen in den erzieherischen Hilfen

Der TuP befasst sich seit einem Jahr mit dem Selbstverständnis und der Haltung in der Profession Soziale Arbeit. Im Januar 2016 widmete sich der Fachausschuss den Schwerpunkten, der Haltung und Qualifikation der Fachkräfte mit einem besonderen Blick auf die Entscheidungskultur. Unter dem Stichwort „Komplexität" hatte der TuP in der Mai-Sitzung einen anderen Fokus gewählt und zwar den Einfluss der Zuwanderung von UMF auf die Fachlichkeit und Weiterentwicklung der Fachkräfte in HzE. Beide Themenstränge sind für die Weiterentwicklung der Profession wesentlich. Eine ebenfalls große Rolle spielen aktuell die Diskussion und die Gradwanderung bezüglich der beabsichtigten inklusiven Lösung im SGB VIII.

Prof. Dr. Holger Ziegler, Gastredner von der Universität Bielefeld, bezog sich in seinem Vortrag auf die professionelle Haltungen der Fachkräfte der Sozialen Arbeit und die professionellen Organisationen, die wiederum einen Einfluss auf die Haltung der agierenden Akteure haben können. Die Jugendhilfe ist in ihren Entscheidungen sehr interpretations- und deutungsorientiert. Es wird gedeutet, wahrgenommen und hinterfragt: Wo liegt der Bedarf?
Dabei spielen die normativen Ziele und Festlegungen der Bedarfe eine wesentliche Rolle.
Mit Blick auf den normativen Aspekt der Haltung bezeichnet Prof. Ziegler sie als normative Wohlfahrts- und Gerechtigkeitsmentalität. So handelt es sich bei der Sozialen Arbeit um normativ-voraussetzungsvolle Praxis. Dabei stehen unterschiedliche Auslegungen von Gerechtigkeit im Mittelpunkt.
Eine professionelle Organisation zeichnet sich durch Weiterbildungskultur, organisationale Aufmerksamkeit, Mitbestimmung, Arbeitsklima, Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen und Einbindung der MitarbeiterInnen aus.
Alle einzelnen Merkmale - abhängig von ihrem Ausmaß – stehen in Verbindung zur Haltung der Mitarbeitenden. Somit haben die Organisationen einen Einfluss auf die Haltung ihrer MA.

  • SGB VIII-Reform (Stand: September 2016)

Der Fachausschuss konzentrierte sich in seinen Diskussionen auf die Bedarfsermittlung, Hilfeplanung, Rolle der öffentlichen und freien Träger und die Vorhaben zum Kinderschutz.
Bezüglich § 36 (Hilfeplanung) und der Ermessensregelung im § 36 b (Hilfeauswahl) standen das beabsichtigte Auswahlermessen und der Vorrang der Infrastrukturangebote und Gruppenangebote im Vordergrund der Diskussionen. Darin sahen vor allem die JuristInnen eine starke Einschränkung, weil es äußerst schwierig sein wird zu begründen, warum eine infrastrukturelle Maßnahme nicht ausreichend ist. Wenn z.B. Infrastrukturangebote nicht reichen, wer entscheidet darüber, was danach kommt? Wie kann überprüft und bewiesen werden, dass ein Infrastrukturangebot nicht ausreichend ist? Demnach könnte der Vorrang verhindern, eine rechtzeitige, für den Entwicklungszeitraum passende Hilfe zu gewähren. Wichtig ist in erster Linie doch zu klären, was das Kind in seiner aktuellen Lebensphase braucht! Wird dadurch die Praxis dazu verführt, niedrigschwellige Hilfen vor weiteren Hilfen auszuprobieren?

  • SGB VIII-Reform (Stand: Januar 2017)*

Das inklusive SGB VIII wird bereits seit Sommer 2015 im Bundesfamilienministerium bearbeitet.
Im September 2016 hatte das Familienministerium Fachverbände zu vier Gesprächen mit verschiedenen Themenschwerpunkten (Inklusion, Kinderschutz, Weiterentwicklung der HzE ...) zum Arbeitsentwurf vom 23.8.16 eingeladen.

Aufgrund der Rückmeldungen und der Stellungnahme der Länder hatte das BMFSFJ den Arbeitsentwurf zur SGB VIII-Reform vom 23.08.2016 dann zurückgezogen. In einen neuen Referentenentwurf sollen die Ergebnisse der Anhörungen der Verbände und die Stellungnahme der Länder einfließen.

Am 17.01.2017 stellte die Familienministerin, Manuela Schwesig, ihre Vorhabenplanung für die letzten Monate bis zur Bundestagswahl im Familienausschuss vor.
Die Vorhabenplanung beinhaltet unter der Überschrift „Gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen" folgende Punkte: SGB VIII-Reform, Dialogforum „Inklusive Lösung" (vom November 2016 bis August 2017), zwei Vertiefungsstudien zum Kindeswohl und Umgangsrecht, Weiterführung der Kampagne zu Kinderrechten, Programm Eigenständige Jugendpolitik, Jugend-Check und den 15. KJB (siehe Anhang).
Im Handlungsfeld „Schutz vor Gewalt" ist die Weiterentwicklung und Verstätigung der Bundesinitiative Frühe Hilfen durch NZFH ab 2018 geplant und die Umsetzung der Ergebnisse der Evaluation des BKiSchG sowie Verlängerung der Fonds Heimerziehung Ost und West bis 2018.

Am 17.03.2017 hat das BMFSFJ einen Referentenentwurf vorgelegt. Das BMFSFJ hat innerhalb von 4 Werktagen um eine Stellungnahme gebeten und die Erziehungshilfefachverbände haben sich darauf verständigt, wegen der kurzen Frist statt einer differenzierten Stellungnahme lediglich nur Anmerkungen zu einigen wenigen exemplarischen Punkten und zum weitergehenden Dialogbedarf zu machen. In den AFET-Gremien wird der Referentenentwurf intensiv weiter behandelt.
*Der AFET stellt zugesandte und uns bekannte Stellungnahmen, Positionierungen und Fachtexte unkommentiert auf seine Homepage ein, um die Diskussion zur SGB VIII-Reform zu befördern und zu begleiten. Es obliegt der Leserin/dem Leser sich eine eigene Meinung zu bilden. Eine Positionierung des AFET erfolgt zur gegebener Zeit.

  • Rolle der Berufsgeheimnisträger bei der Gefährdungseinschätzung nach § 8a SGB VIII

Mit Blick auf § 8a SGB VIII und die Rolle der Berufsgeheimnisträger wurde im Arbeitsentwurf zur SGB VIII – Reform vom 23.08.2016 eine Beteiligung der Berufsgeheimnisträger an der Gefährdungseinschätzung beabsichtigt. Leider sagte der Entwurf nichts darüber aus, wie diese Beteiligung gestaltet werden sollte. Bis jetzt führten die Jugendämter in alleiniger Verantwortung die Gefährdungseinschätzung durch. Daher wäre es zu überlegen, ob und wer zukünftig daran zu beteiligen sei.
Nach juristischer Einschätzung wird der Schutzauftrag der Berufsgeheimnisträger in § 4 KKG stärker aufgeweicht:
Im aktuellen § 4 KKG werden die Berufsgeheimnisträger in die Pflicht genommen, in Kontakt mit Familienangehörigen zu treten, ihnen die Situation zu erörtern und ggf. auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinzuwirken, bevor sie sich mit dem JA in Verbindung setzten. Erst nach dem Ausschöpfen dieser Möglichkeiten besteht die Befugnis zur Information des JA. Hier handeln sie in erster Linie im Sinne der Verantwortungsgemeinschaft.
Das DIJuF spricht von einem grundlegenden Systemwechsel, denn nach dem Entwurf vom 23.08.2016 können sie sich gleich an das JA wenden und melden, ohne sich oder die Eltern zu beraten und sie auf mögliche Hilfen im Vorfeld hinzuweisen.
Somit rückt die Befugnis zur Mitteilung an die erste Stelle. Zeitgleich sollen die Berufsgeheimnisträger dem Kind und den Personensorgeberechtigten die Situation erörtern.
Die Pflicht zum Hinwirken auf Inanspruchnahmen von Hilfen rückt nach hinten und wird durch Formulierungen wie „soweit möglich" oder „hierbei" aufgeweicht.

Mit Blick auf die aktuelle Formulierung im BKiSchG und Art. 6 Abs. 2 GG sind Kinder und Eltern die ersten Ansprechpartner bei der Abwendung der Gefährdung. Erst wenn sie nicht in der Lage sind, es verweigern oder der wirksame Kinderschutz gefährdet ist, erfolgt ein Vorgehen ohne ihr Einverständnis.

Die Ausschussmitglieder stellten fest, dass bis dato die Verantwortungsgemeinschaft ausdrücklich im § 4 KKG thematisiert wird. In diesem Zusammenhang wäre es sinnvoll, sich über den Mehrwert jedes einzelnen Akteurs auszutauschen, der im Sinne der Verantwortungsgemeinschaft an der Gefährdungseinschätzung beteiligt ist, oder noch stärker beteiligt werden möchte.

Bezüglich der gesamtstaatlichen Verantwortung im und für den Kinderschutz müsste die Rolle der Berufsgeheimnisträger näher beleuchtet werden. Wo liegt aktuell das Defizit und braucht die Praxis dafür eine Gesetzesänderung? Sollte nicht eher der Dialog zwischen den JÄ und den Berufsgeheimnisträgern verstärkt werden, oder brauchen z.B. die Kinder- und Jugendärzte mehr Information darüber, wie sie die Kinderschutzthemen mit den Bertoffenen ansprechen?

In seiner nächsten Sitzung wird der TuP diese Diskussion fortsetzen und sich den oben genannten Fragen widmen.

  • Selbstverständnis der Sozialen Arbeit - Schwerpunkte, Haltung, Qualifikation

Vor dem Hintergrund, dass gerade viele Jugendämter einen Generationenwechsel erleben, stellt sich die Praxis häufig die Frage nach der professionellen Grundhaltung in der Sozialen Arbeit. Der Fachausschuss widmete sich der Haltung der Fachkräfte in den Jugendämtern und vor allem bei den zu treffenden Entscheidungen.
In der Diskussion ging es um die Mehrdimensionalität der Entscheidungsprozesse. Die damit verbundenen Fragen waren: Auf welcher Ebene und nach welchen Kriterien entscheiden die Fachkräfte und wie bringen sie diese Entscheidungen in einem Bild zusammen? Die Schwierigkeit liegt aktuell vor allem darin, die Komplexität herzustellen und sie zu reflektieren.

  • Einfluss der Zuwanderung von UMF auf die Fachlichkeit und Fachkräfte in HzE

Der Fachausschuss nahm die Zuwanderung von Unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlingen als eine wichtige Zielgruppe der Kinder- und Jugendhilfe zum Anlass, sich über die damit verbundenen Herausforderungen für die Fachlichkeit auszutauschen.
Er zog eine Bilanz nach der Einführung des Gesetzes zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher und stellte fest, dass die Praxis der Verteilung überwiegend funktioniert. Die Rückkehrquote nach der Verteilung ist relativ gering, allerdings verschwindet ein Teil der Jugendlichen nach der Verteilung. Es ist schwierig, Personal für Vormundschaften zu finden. In einigen Regionen entsteht aktuell die Frage nach der Nutzung aufgebauter Strukturen, die aufgrund geringer Zuwanderung nicht mehr abgerufen werden.
Bezüglich der individuellen Bedarfe der UMF und der daraus resultierenden Herausforderungen für die Jugendhilfepraxis stellten die Ausschussmitglieder fest, dass sich die Kinder- und Jugendhilfe stärker auf die Gestaltung der Übergänge und die dafür notwendigen Kooperationen mit ARGE, Jobcenter, Jugendmigrationsdiensten und Einrichtungen der Jugendsozialarbeit konzentrieren müsste. Ebenfalls wären Netzwerke und Kooperationen mit Migrantenselbstorganisationen und Moscheen für die Betreuung von UMF sehr hilfreich.
Mit Blick auf die Profession und Fachkräfte der Sozialen Arbeit berichten die freien Jugendhilfeträger, dass sie sich um Nachqualifizierung ihrer Mitarbeiter zu Themen wie Traumaverarbeitung, interkulturelle Elternarbeit, Nähe – Distanz usw. bemühen. Im Zusammenhang mit den UMF sind es sehr unterschiedliche Anforderungen, die den Fachkräften begegnen. Das hängt von dem individuellen Bedarf ab. Sie sprachen sich für die Weiterqualifizierung sowie die Aufnahme der transkulturellen Pädagogik in die Curricula für Ausbildung und Studium im Bereich der Sozialen Arbeit aus.

  • Jugendhilfe und Schule

Das Thema der Zusammenarbeit zwischen der Jugendhilfe und Schule wurde im Fachausschuss im Kontext der Ergebnisse des 14. KJB, am Beispiel von Modellvorhaben zum Kinderschutz und im Zusammenhang mit regionalen Kooperationsvereinbarungen zwischen der Jugendhilfe und Schule unter dem Fokus der stationären Hilfen diskutiert.
Da die Mitglieder von exkludierenden Praktiken vor allem der HzE-Kinder berichteten, richtete der Fachausschuss sein Augenmerk in 2015 auf das Kind und sein Recht auf Bildung im inklusiven Kontext.

  • Evaluation des BKiSchG

Der AFET hat auf Einladung des Bundesfamilienministeriums am 27.02.2015 im Rahmen der Evaluation des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) eine Stellungnahme zur Vorbereitung des Berichts der Bundesregierung abgegeben. In diese Stellungnahme flossen die Rückmeldungen aus dem Fachausschuss mit ein.
In der Mai-Sitzung diskutierte der Fachausschuss den Zwischenstand der Evaluation des BKiSchG, der am 28.04.2015 durch das BMFSFJ präsentiert wurde.

  • Abbrüche von Hilfen im stationären Bereich

Nach der intensiven Befassung mit Abbruchszahlen, den Hintergründen von Abbrüchen und der Bedeutung von abgebrochenen Hilfen für die beteiligten Akteure schloss der Fachausschuss dieses Thema mit einer Fachdiskussion zur Frage: Was muss berücksichtigt werden, damit aus den Abbrüchen keine Lebensbrüche werden? ab. Der Fachaustausch wurde in einem Artikel zusammengefasst im Dialog Erziehungshilfe im Januar 2016.


2012-2014

  • Bildungsbegriff im inklusiven Kontext

Wie wird aber der Bildungsbegriff und -auftrag von den jeweiligen Systemen an inklusiver Schule verstanden und kooperativ umgesetzt? Zu dieser Frage tauschte sich der Fachausschuss mit Jan Hoyer vom Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Uni Hannover aus.
Bezogen auf die Sozialisationstheorien, wonach das Schulsystem bei Schülerinnen und Schülern die Voraussetzungen schaffen soll, um an unterschiedlichen sozialen Systemen teilnehmen zu können (vgl. Luhmann 2002), entscheidet die Schule über die Zugangswege der SchülerInnen.
Geht man davon aus, dass die Schule nach dem Ansatz der positiven Abweichungsverstärkung arbeitet – sie stellt eine Abweichung fest und verstärkt diese Abweichung – und die Jugendhilfe das Ziel der negativen Abweichungsverstärkung verfolgt, so wird deutlich, dass die Kooperation dieser Systeme durch ihre konträre Ausrichtung erschweret wird.
Was bedeutet das für die Kooperation zwischen der Jugendhilfe und Schule? Von wesentlicher Bedeutung für eine gelingende Kooperation ist, dass sie jenseits der „Krisenzeit" und fallunabhängig verbindlich vereinbart wird. Zu festen Bestandteilen einer solchen Vereinbarung sollten gehören: Einigung auf einen gemeinsamen Qualitätsbegriff, kollegiale Fallberatung in der Schule und Bedingungen für die Bewahrung der eigenen Identität als Jugendhilfe.

  • Kinder und Jugendlich mit Migrationshintergrund in den HzE

Anknüpfend an die AFET- Arbeitshilfe 2/2010 „Familien mit Migrationshintergrund in der Erziehungshilfe" beschäftigte sich der TuP mit ausgewählten Eckpunkten und Zahlen der Stellungnahme des Bundesjugendkuratoriums (BJK) zu „Migration unter der Lupe..." aus 2013.
Die Zahlen der Inanspruchnahmen der HzE durch Familien mit Migrationshintergrund sind, so die Stellungnahme, eher unauffällig. Aufgeteilt nach Hilfearten sind die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der sozialen Gruppenarbeit am meisten vertreten (36%), gefolgt von ambulanten Leistungen (31%). Die geringere Inanspruchnahme z.B. in der Vollzeitpflege und stationären Hilfen wird mit der Problematik der sprachlichen Verständigung in Verbindung gebracht. Vergleichsweise zu HzE zeigt sich bei den Inobhutnahmen mit 24% ein erhöhter Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund (darunter sind auch die UMF erfasst.).
Bei den Fachkräften weist das BJK auf eine selektive Wahrnehmung familialer Problemlagen hin. Deswegen hat die KJH ihre interkulturelle Kompetenz im Sinne ihres Professionsverständnisses unter Beweis zu stellen. Das BJK fordert die interkulturelle Öffnung auf Organisations- und Leitungsebene, Personalebene und bei der Angebotsstruktur.
Bezüglich der „Ausstattung" der Fachkräfte, die mit Familien mit Migrationshintergrund arbeiten, ergaben sich während der Diskussion im TuP einige Hinweise. Für wichtig für die Beratung und Betreuung dieser Zielgruppe hält der Fachausschuss das Familienfallverstehen. Dafür benötigen die Fachkräfte ein ausreichendes Wissen über die Migrations- und Integrationsprozesse sowie spezielles Wissen über kulturelle Gegebenheiten des Herkunftslandes der jeweiligen Familie und allgemeines Interesse für die Zielgruppe.

 

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