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Appell für eine inklusive Lösung

Hilfen aus einer Hand – auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen

 

Appell für eine inklusive Lösung

Über 130 ErstunterzeichnerInnen aus der Politik, der Verwaltung, der Wissenschaft, der Praxis und den Verbänden haben einen Appell für eine inklusive Lösung für Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen aus einer Hand gestartet. Der Appell richtet sich an Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Manuela Schwesig, an die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles und an die zuständigen MinisterInnen und SenatorInnen in den einzelnen Bundesländern. Mit dem Appell werden sie aufgefordert, die notwendigen Reformen im Zusammenhang mit dem zu schaffenden Bundesteilhabegesetz durchzuführen. 

Die UnterzeichnerInnen sehen eine „historische Chance“ zu einer inklusiven Lösung zu kommen, die die Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe für alle Kinder- und Jugendlichen beinhaltet. Der gesetzliche Rahmen soll schnell und in einem partizipativen Prozess im Sinne der Betroffenen geschaffen werden. "Ich bin überrascht darüber, in welch kurzer Zeit so viele engagierte und renommierte Persönlichkeiten diesen Appell unterstützen. Das zeigt, dass dieses Thema endlich angepackt werden muss", erklärte der Koordinator der Kampagne für ein gutes Bundesteilhabegesetz, Ottmar Miles-Paul.

Der Appell kann unterzeichnet werden: Link zur Unterstützungsmöglichkeit für den Appell auf change.org

Er  hat folgenden Wortlaut:

Hilfen aus einer Hand – auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen

Appell für eine inklusive Lösung

Kinder und Jugendliche ohne Behinderung oder mit (drohender) seelischer Behinderung erhalten Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch VIII (Kinder- und Jugendhilfe), Kinder und Jugendliche mit körperlicher und sogenannter geistiger Behinderung im Rahmen der Sozialhilfe nach dem Sozialgesetzbuch XII.

"Die Aufteilung der Zuständigkeiten für junge Menschen mit Behinderungen auf die Sozialhilfe und die Kinder- und Jugendhilfe führt in der Praxis zu erheblichen Definitions- und Abgrenzungsproblemen, aus denen Zuständigkeitsstreitigkeiten, erheblicher Verwaltungsaufwand und vor allem Schwierigkeiten bei der Gewährung und Erbringung von Leistungen für Kinder und Jugendliche und ihre Familien resultieren." Diese Situation schildert der Abschlussbericht der beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales angesiedelten Arbeitsgruppe Bundesteilhabegesetz. Sie erschwert vielen behinderten Kindern und Jugendlichen sowie ihren Eltern das Leben zusätzlich.

Wir fordern eine Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe für alle Kinder und Jugendlichen, da

- Kinder und Jugendliche mit ihren Bedarfen regelmäßig nur im Kontext ihrer Familie und ihres sozialen Umfelds betrachtet werden können,

- sowohl seelische und sogenannte geistige Behinderungen als auch behinderungsbedingte und erziehungsbedingte Bedarfe oftmals schwer zu unterscheiden sind,

- bei Kindern und Jugendlichen mit Mehrfachbehinderungen die Klärung des zuständigen Leistungssystems besonders schwierig ist und regelmäßig kein Leistungsträger zuständig sein will, solange Unklarheiten bestehen und

- die inklusive Bildung und Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung in Kindertageseinrichtungen, Schulen oder in Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit durch strukturelle Barrieren erschwert wird.

Behinderte Kinder sind in erster Linie Kinder!

Sie müssen wie alle anderen Kinder und Jugendlichen auch die Hilfen, die sie zur gleichberechtigten Teilhabe und damit auch zur Inklusion benötigen, aus einer Hand und von einem Kostenträger bekommen: der Kinder- und Jugendhilfe. Nur sie kann für alle Kinder und Jugendliche, unabhängig davon zuständig sein, ob sie behindert oder nicht behindert sind. Das hilft auch den Eltern, die nur noch einen Ansprechpartner haben und nicht verschiedene Stellen anlaufen müssen.

Wir haben die historische Chance, die Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe für alle Kinder und Jugendlichen in den derzeit laufenden Reformprozessen – Bundesteilhabegesetz für Menschen mit Behinderungen und Reform der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) – zu erreichen. Nutzen wir diese Chance nicht, bleibt es auf unabsehbare Zeit beim sachlich nicht zu rechtfertigenden gegliederten System mit all seinen unnötigen Erschwernissen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie für ihre Eltern.

Wir fordern deshalb die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig, die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, und die zuständigen MinisterInnen und SenatorInnen der Länder auf:

- treten Sie mit uns dafür ein, dass die notwendigen Reformen im Zusammenhang mit dem zu schaffenden Bundesteilhabegesetz durchgeführt werden;

- treten Sie mit uns dafür ein, dass auch Kinder und Jugendliche mit Behinderungen die nötigen Hilfen aus einer Hand bekommen: aus der Kinder- und Jugendhilfe;

- treten Sie mit uns dafür ein, dass der gesetzliche Rahmen jetzt und die hierfür nötigen Übergangsschritte in einem partizipativen Prozess im Sinne der Betroffenen geschaffen werden.

Link zum Appell mit der vollständigen Liste der ErstunterzeichnerInnen

Link zur Unterstützungsmöglichkeit für den Appell auf change.org

 

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