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Aus dem AFET

ExpertInnengespräch zu aktuellen Spannungsfeldern bei der Schulbegleitung in Regelschulen

Mit Blick auf die aktuelle Debatte über die „inklusive Kinder- und Jugendhilfe“ und das Bundesteilhabegesetz sowie die Novellierung des SGB VIII möchte sich der AFET der Arbeit und Rolle der Schulbegleitung unter der „Inklusiven Perspektive“ widmen.

Am 4. November 2015 veranstaltete der AFET sein erstes ExpertInnengespräch zu aktuellen rechtlichen und fachlichen Spannungsfeldern bei der Schulbegleitung. Die Veranstaltung wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Mit dem auf das Kind und seine Rechte auf Teilhabe, eine adäquate Beschulung, Bildung und Förderung gerichteten Fokus befassten sich VertreterInnen der Kinder- und Jugendhilfe, des Schulwesens, Rechts und der Wissenschaft mit den Fragen: Welche Rolle spielt die Schulbegleitung an der Regelschule und was sind die aktuellen Spannungsfelder?

Durch das Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention am 29.03.2009 in Deutschland besteht die Verpflichtung, die gesellschaftliche Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen in allen Lebensbereichen sicherzustellen und ihnen den Zugang zum allgemeinen Bildungssystem zu ermöglichen bzw. die dafür notwendige Unterstützung zu gewährleisten (Art. 24 Abs. 2 UN-BRK).

Die Inanspruchnahme von Schulbegleitern steigt. Im Zuge des Ausbaus von inklusiver Beschulung ist davon auszugehen, dass diese Nachfrage weiterhin wächst, was nach dem derzeitigen Finanzierungmodell einen starken Kostenanstieg für die Kinder- und Jugendhilfe und Sozialhilfe bedeuten würde. Die ExpertInnen tauschen sich über die Rolle der Schulbegleitung an Regelschulen nicht nur wegen der Kosten- und Fallsteigerung aus, sondern weil es in der Praxis vor Ort viele ungeklärte Fragen zum Aufgabenspektrum, zur Qualifikation, Rolle der Schulbegleiter, Finanzierung, zu Vereinbarungen über das Einsetzen der Schulbegleiter sowie zur Kooperation der Systeme und zur Gestaltung der Schnittstellen gibt.

Die Beispiele aus der Praxis und den ausgesuchten Regionen bestätigten, dass sich die Rahmenbedingungen und die Priorisierung der Umsetzung zwischen den Bundesländern sehr stark unterscheiden. Es wurden tragfähige Konzepte zur Umsetzung vom inklusiven Unterricht gewünscht. Oftmals fehlen notwendige Unterstützungsangebote für betroffene Kinder und Jugendliche.

Eine kontroverse Diskussion zwischen den ExpertInnen entstand im Zusammenhang mit der konkreten Abgrenzung zwischen den unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortlichkeit der Schule als pädagogischer Leistungsträger und dem Aufgabenbereich der Eingliederungshilfe bzw. Schulbegleitung. Das Bundesrecht sagt, dass bei der Schulbegleitung Maßnahmen ausgeschlossen werden, die dem Kernbereich der pädagogischen Arbeit der Schule zuzuordnen sind. Problemtisch zu beantworten ist weiterhin die Fragen: Was gehört aber zum Kernbereich der pädagogischen Arbeit an einer inklusiven Schule?

Dokumentation des ExpertInnengesprächs

Tagesordnung des ExpertInnengesprächs

1. Begrüßung
(Jutta Decarli, AFET-Bundesverband für Erziehungshilfe)

2. Thematische Einführung
(Dr. Koralia Sekler, AFET-Bundesverband für Erziehungshilfe)

3. Rechtliche Bestimmungen beim Einsetzen von SchulbegleiterInnen
(Lydia Schönecker, Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht)

4. „Wenn man selber nicht integriert ist, dann kann man nicht als Integrationshelfer arbeiten."
Zu Spannungsfeldern im Einsatz von Schulbegleitungen aus wissenschaftlicher Perspektive

(Anika Lübeck, Wissenschaftliche Einrichtung Oberstufen-Kolleg Fakultät für Erziehungswissenschaften Universität Bielefeld)

5. Was sind die aktuellen rechtlichen und fachlichen Spannungsfelder bei der Schulbegleitung?
Austausch und Beispiele aus der Praxis:

6. Schlussrunde

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